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Presse
17.07.2010, 09:55 Uhr | Lausitzer Rundschau / Gabi Böttcher Übersicht | Drucken
CDU-Landeschefin Saskia Ludwig informiert sich bei SIAG-Anlagenbauern

„Auch wenn die Politik das oft anders sieht, wir sind noch nicht durch die Krise durch“, Wolfgang Jungnickel, Geschäftsführer der SIAG Anlagenbau Finsterwalde GmbH, vermittelte der CDU-Landes- und Fraktionschefin Saskia Ludwig am Freitag seine Sicht auf die wirtschaftliche Situation. Keine drei Wochen als CDU-Landeschefin im Amt, hatte der Landtagsabgeordnete Rainer Genilke Saskia Ludwig in seinen Walkreis geholt.


Nach der Galfa Industriegalvanik GmbH waren die Anlagenbauer zweite Station der Tour. Begleitet von Finsterwaldes Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) erfuhr die Partei- und Fraktionschefin, dass im Unternehmen seit März Kurzarbeit angesagt ist, wenn auch mit 11 000 Stunden in geringem Maße, wie der Geschäftsführer einschätzt. Gegenwärtig sei das Unternehmen wieder zu zwei Dritteln ausgelastet. In diesem Monat käme man mit 250 Stunden Kurzarbeit über die Runden. Zehn befristete Arbeitsverträge seien nicht verlängert worden, aber es habe keine Entlassungen in dem 200 Mitarbeiter zählenden Betrieb gegeben. Die Kurzarbeit sei zur Qualifizierung der Mitarbeiter genutzt worden. Dafür ging ein Lob für die gute Zusammenarbeit an die Entwicklungsgesellschaft Energiepark Lausitz (EPPL). Kurzarbeit, so Wolfgang Jungnickel, sei für ihn jedoch nur ein Thema, wenn es effektiv die Chance gebe, dass es weitergehe.

 

80 bis 120 Meter hohe Stahlrohrtürme für Windkraftanlagen und die dafür notwendigen Fundamente werden im Finsterwalder Betrieb gefertigt. Wolfgang Jungnickel gibt sich optimistisch: Der steigende Energiebedarf weltweit begründe die zunehmende Bedeutung regenerativer Energien. Im Interesse der Menschheit könne die Zukunft nicht - oder nicht nur - in der Atomenergie liegen. Mit der Übernahme der Nordseewerke Emden durch die SIAG-Gruppe sei der Einstieg in die Offshore-Produktion vollzogen worden. Auf die Frage von Rainer Genilke nach einer möglichen Nutzung des Mühlberger Hafens entgegnete Jungnickel: »In der Zusammenarbeit mit Emden wäre das eine interessante Lösung.« Für den Großteil der gegenwärtigen Kunden wie in Frankreich und Niedersachen käme der Elbeweg jedoch nicht infrage.

 

Eine Sorge vereinte den Mann aus der Wirtschaft mit seinen Gästen aus der Politik: das Leistungsniveau brandenburgischer Schulabgänger. »Es ist haarsträubend«, so Jungnickel. Nur etwa 15 Prozent der Bewerber für eine Lehrstelle kämen überhaupt in Betracht. Steilvorlage für Saskia Ludwig und ihre Kritik an der Brandenburgischen Bildungspolitik: »Kuschelpädagogik. Und dann reden wir noch von der Integration förderbedürftiger Kinder in das Regelschulsystem.« Wolfgang Jungnickel sprach sich dafür aus, dass Jugendliche schon während ihrer Schulzeit ein Praktikum in Betrieben absolvieren, um rechtzeitig zu sehen, was sie später erwartet.

 

Bürgermeister Gampes Frage an den aus dem Sächsischen kommenden Geschäftsführer, ob dieser sich denn nicht in der Region niederlassen wolle, verneinte der. Um gleichzeitig zu betonen: »Trotzdem werde ich alles dafür tun, dass sich die Firma hier in Finsterwalde stabil entwickelt.«
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